Wer braucht Amazons Kindle DX?

Amazons Kindle DX

Mit dem heutigen Tag ist Amazon Kindle DX auch auf dem deutschen Markt erhältlich. Im Vergleich zu seinem kleinen Bruder (6 Zoll = 15 Zentimeter) bietet der DX  eine Bildschirmdiagonale von 24,6 Zentimeter (9,7 Zoll). Ab dieser Größe lassen sich auch Tageszeitungen einigermaßen anschaulich abbilden. In den USA ist beispielsweise die Ausgabe der New York Times verfügbar, in Deutschland sind es die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das Handelsblatt.

Amazons Kindle DX

Kindle-Benutzer sollten allerdings nicht zu viel erwarten. Die Kollegen der FAZ waren über die Umsetzung enttäuscht.

Es fehlen alle Bilder, Tabellen und Grafiken. Die „New York Times“ bringt genau ein Foto, nämlich das Titelbild. Der Verzicht auf sämtliche visuellen Elemente ist ein Unding, das allein verleidet einem sämtlichen Spaß am Zeitunglesen. Ebenso fehlt jedwede Möglichkeit, sich auf gewohnte Weise in der Zeitung oder in dem Magazin zu orientieren, also zum Beispiel alle Artikel auf einer Seite in den Blick zu nehmen, schnell den jeweiligen Vorspann zu überfliegen und sich zielgerichtet interessant Erscheinendes herauszupicken. Dazu müsste das Display viel größer sein und Artikel über- oder nebeneinander zeigen.

Kein neuer Vertriebsweg für Zeitungsverleger

Damit können die Zeitungsverleger ihre Hoffnungen begraben, mit dem Kindle einen neuen lukrativen Vertriebsweg für ihre Inhalte an der Hand zu haben. Kaum ein Leser wird sich mit der ohnehin monochromen Darstellung von Inhalten zufrieden geben, wenn diese auch noch hinter die Papierausgabe zurückfällt. Ich wage die Prognose, dass in gut einer Woche sowieso kein Mensch mehr daran denken wird, sich eine Zeitung oder ein Magazin mit dem Kindle anzuschauen. Dann nämlich wird Apple sein Tablet vorstellen und es ist damit zu rechnen, dass Steve Jobs neue Maßstäbe für die digitale Darstellung von Inhalten setzen wird.

Wenige Titel für deutsche Kunden

Das alles wird Amazon kaum interessieren. Vorerst. Der Online-Händler  macht seine Geschäfte mit Büchern und die kommen in aller Regel als reiner Text zum Kunden. Leider ist das Angebot von elektronischen Büchern für Kindle-Kunden in Deutschland immer noch mager, wie der Focus berichtet. Grund dafür sind urheberrechtliche Verhandlungen mit den Buchverlagen. Das ist aus Verbrauchersicht sehr ärgerlich.

Für Fachbücher interessant

eBook-Reader wie das Kindle schwimmen derzeit noch auf einer Welle der Aufmerksamkeit. Die Frage ist jedoch, wie lange noch. Das elektronische Buch wird dem gedruckten Buch auch auf lange Sicht nicht den Rang ablaufen können – soweit den Bereich der Literatur betrifft. Dafür ist das Buch zu tief im kulturellen Bewusstein der Menschen verankert.

Für den Bereich der Fachbücher sehe ich die Lage genau umgekehrt. Die Möglichkeit, Notizen anzufertigen, Verknüpfungen mit Online-Angeboten herzustellen und Fachliteratur kosten- und papiersparend aktualisieren zu können, lassen das gedruckte Pendant ziemlich alt aussehen. Ein klarer Punkte-Sieg für das eBook.

Wer braucht das Kindle DX?

Wer braucht also Amazons Kindle DX, das mit 489 US-Dollar fast doppel so teuer wie der kleine Bruder Kindle 2 ist? Interessant ist das Gerät nur für Menschen, die gerne ein eBook ausprobieren möchten und dabei eine größere Darstellung bevorzugen. Wer das Kindle für sein Studium oder allgemein für Fachliteratur nutzen will, wird noch am längsten Freude mit dem Gerät haben. Alle anderen sollten besser die Entwicklung der Tablets abwarten.

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