Das iPad ist da. Wochenlang hat es die Gerüchteküche beinahe zum Überkochen gebracht. Jetzt sind die Fakten auf dem Tisch: Apples neue Moses-Tafel, wie der Tablet-Rechner im Vorfeld scherzhaft genannt wurde, ist ein iPhone im Großformat. Das trifft nicht nur auf die Optik zu. Auch das Betriebssystem basiert auf dem OS des iPhone. Für den Benutzer hat das den Vorteil, dass er auf die gleichen zigtausend Programme zurück greifen kann, die es auch schon für das iPhone gibt.
Der Kick fehlt
Auch wenn Vorstellung des iPads am Mittwoch in Vancouver wieder eine gut inszenierte Steve Jobs-Show war – es fehlte der Kick. Die Erwartungen im Vorfeld waren groß. Vielleicht zu groß. Nicht weniger als eine Revolution sollte Jobs ankündigen, aber die blieb aus. Keine Aha-Erlebnisse, keine erstaunten Ohs wie noch bei der iPhone-Präsentation vor zwei Jahren. Das ist dem Konzept geschuldet, den iPad als großen Bruder des iPhone zu entwickeln.
Das Internet in den Händen
Wenn es nach Apple geht, soll das iPad die Produktlücke zwischen iPhone und den Notebooks der MacBook-Reihe schließen. Bekanntlich baut Apple keine Netbooks – Steve Jobs hält nichts von den utraportablen Laptops. Das iPad als Gerät, mit dem man “das Internet in den Händen” hält, soll die Mini-Laptop überflüssig machen. Doch nicht nur das: Mit dem iPad greift Apple auch Amazons eBook-Reader Kindle an. Über einen neuen iBooks-Store können Bücher im ePub-Format genauso bequem herunter geladen werden wie es die Kunden beim Kauf von Musik im dem iStore gewohnt sind. Deutsche Käufer werden sich aber noch gedulden müssen: Zum Launch des iPad wird der iBook-Store nur für die USA angeboten.
Eine Kampfansage ist auch der Preis: das günstigste Modell mit Wlan und 16 GB Flash-Speicher kostest 499 US-Dollar. Zum Vergleich: Amazon bietet das große Kindle DX für 489 US-Dollar an.
Verdammt schnell
Das iPad kommt erst im April auf den Markt. Unmittelbar nach seiner Präsentation hatten einige Journalisten und Blogger die Gelegenheit, das 9,7-Zoll (ca. 25 Zentimeter) große Gerät mit Touchscreen anzutesten. Während es sehr unterschiedliche Empfindungen des Gewicht von rund 700 Gramm gibt, sind sich alle in einem Punkt einig: das iPad ist verdammt schnell. Alle Anwendungen und die zum Teil sehr aufwendigen Animationen laufen ruckelfrei. Möglich macht das Apples eigene Chipentwicklung A4.
Multimedia-Gerät
Das iPad ist ein echtes Multimedia-Gerät. Musik hören, Filme und Fotos sehen, im Internet surfen – all das ist bei einer Bildschirmauflösung von 1024×768 Pixel auf einem IPS-Panel ohne größere Anstrengungen möglich. Die Schärfe der dargestellten Bilder und Text wird als gut empfunden. Sehr gute Werte soll auch die Batterieleistung erreichen: sie wird von Apple mit zehn Stunden angegeben.
Kein Multitasking, kein Flash
Natürlich gibt es auch Kritik: Keine Kamera. Kein Multitasking. Kein Flash. Die letzten beiden Punkte sind jedoch durch ein Software-Update zu beheben. Ein solches Update war für das iPhone, das ebenfalls kein Multitasking und Flash beherrscht, eigentlich für den gestrigen Tag erwartet worden. Wahrscheinlich ist, dass die Software-Entwickler bis zuletzt am iPad gearbeitet haben und das Update somit verschoben wurde.
Fazit
Das iPad ist ein beeindruckendes Stück Technik, das sich aber erst bewähren muss. Eine Moses-Tafel ist es sicher nicht. Dafür fehlen ihm revolutionäre Funktionen.
Noch fehlt der Kick, der einen Kaufanreiz ähnlich wie das iPhone auslösen könnte. Diesen Anreiz könnten schon bald Applikationen schaffen, die speziell für das iPad entwickelt werden. Steve Jobs hat mit einer speziellen Version des Textverarbeitungsprogramms iWork bereits einen Vorgeschmack geliefert.
Nicht unterschätzt werden darf auch Gaming-Bereich. Einen Hype wie das iPhone wird das iPad nicht auslösen. Aber es wird seine Käufer finden. Mal schauen, ob ich in drei Monaten auch dazu gehöre.

Es wird einen noch größeren Hype auslösen, weil es die normalen Haushalte erobern wird … im Gegensatz zum iPhone.