Kunden erster und zweiter Klasse

Alltagsrauschen

Eigentlich berichte ich in meinem Blog nicht über negative Erfahrungen als Verbraucher. Doch wenn mir ein Autoverkäufer ins Gesicht sagt, dass es Kunden erster und zweiter Klasse gibt, dann hat man sich damit für einen Eintrag qualifiziert.

Der Reihe nach. Meine Frau und ich suchen gerade nach einem geeigneten Familienwagen. In vier Wochen soll unsere Tochter zur Welt kommen. Alles ist vorbereitet. Nur ein fahrbarer Untersatz mit Isofix-Kinderhalterung (bei der Sicherheit wird nicht gespart) fehlt noch.

Mobile.de und Autoscout24 gehören längst zu unseren tägichen Anlaufstellen im Internet Das erspart freilich nicht den Gang zum Autohändler. Die in Frage kommenden Modelle wollen schließlich auch einmal in Augenschein genommen und Probegefahren werden. Leicht machen es einem Händler allerdings nicht. Viele Autohäuser haben unter der Woche nur bis 18 oder 18:30 Uhr geöffnet. Am Wochenende sieht es nicht besser aus: Um 13 Uhr ist meisten Schluss. Das wird von jedem Dorf-Rewe getoppt.

Zum Glück gibt es Ausnahmen. Das Autohaus Moll in Düsseldorf gehört dazu. Öffnungszeit am Samstag bis 18 Uhr, ein großes Angebot an Gebrauchtwagen und der sehr gute Internet- und Facebookaufritt hinterließen bei mir einen sehr guten Eindruck. Da sollte doch was zu machen sein.

Also auf zu Moll. Auf dem Parkplatz gefiel uns ein VW Golf VI Variant, kein Jahr alt, Komfortline-Ausstattung (der neue Audi A4 Avant ist meiner Frau leider ein paar Zentimeter zu groß). Preisvorstellung okay. Passt.

Auf zum Verkäufer. Haben Sie eben angerufen? Nein. Es sind noch andere Kunden unterwegs, die sich für den Wagen interessieren. Gut, aber jetzt sind WIR ja da. Wie heißt es so schön? Genau:

Zwischenverkauf vorbehalten.

Die Probefahrt verlief zufriendenstellend. Ja, das das Fahrzeug konnten wir uns als Familienkutsche vorstellen. Schnell noch einen Preis besprechen, den wir zu zahlen bereit wären, und dann ab zurück zum Moll- Verkäufer. Dort waren inzwischen die gerade angesprochen anderen Interessenten eingetroffen.

Bitte setzen Sie sich noch.

Hieß es nicht etwas zu den anderen Kunden, sondern zu uns. Und so setzten wir uns – bereits leicht irritiert. Jetzt hätte sich das Verkaufsgespräch anschließen sollen. Stattdessen beobachteten wir durch die Scheibe des Warteraums, wie die anderen Kunden das Fahrzeugs zunächst begutachteten und anschließend testweise vom Hof fuhren.

Es dauerte noch eine Weile bis wir bemerkten, dass gerade etwas schief lief.

Hatte uns der Moll-Verkäufer im Warteraum geparkt, um erst zu versuchen, das Geschäft mit den anderen Kunden, die nach uns eingetroffen waren, abzuwickeln? Das konnte nicht sein. Und doch gab es keine andere Erklärung.

Dreist. Unverschämt. Eine solchen Blödsinn machen wir nicht mit, wir gehen.

An der Tür treffe ich den Moll-Verkäufer. Es kam zu einer kurzen Diskussion. Die anderen Kunden seien weit angereist. Gut, wir waren auch ein paar Kilometer gefahren. Und außerdem zuerst da. Die anderen hätten reserviert. Äähhh.. hä? Wir hörten das zum ersten Mal.

Ich beschwerte mich über die Vorgehensweise des offensichtlich überforderten Moll-Verkäufers und ließ schließlich die Bemerkung fallen, dass es nicht Kunden erster und zweiter Klasse gebe. Die Erwiderung des Moll-Verkäufers:

„Doch“!

Hoppala! Das war doch mal eine Ansage.

Wir sind also Kunden zweiter Klasse für Sie? Äh, nein, natürlich nicht. Aber das haben Sie gerade gesagt!

Ich will dem Mann ehrenhalber unterstellen, dass er es tatsächlich nicht so meinte. Aber so eine Bemerkung darf einem Verkäufer nicht entgleiten. Unter gar keinen Umständen. Der Mann machte auch sonst keine Anstalten, die Situation, die er verbockt hatte, zu retten.

Kein Wort der Entschuldigung.
Kein Angebot, uns andere Fahrzeuge zu zeigen(!)
Und auch die letzte Möglichkeit, den Fauxpas telefonisch zu beseitigen, ließ der Mann verstreichen.

Mit anderen Worten: absolut unprofessionell. Kundenbeziehung unerwünscht.

Wahrscheinlich sind wir heute nur Opfer einer katastrophalen individuellen Fehlleistung geworden. Unsere Bereitschaft, wegen eines Wagens noch einmal zum Autohaus Moll nach Düsseldorf zu fahren, ist jedoch stark gesunken. Vielleicht sollten wir aber auch einfach vorher anrufen und unser Handtuch auf ein interessantes Modell legen lassen. Dann dürfen andere durch die Scheibe gucken.

(Foto: McSkeletor/flickR)

[Update 7.2.2011] Da der Wagen am Montagmorgen noch immer bei Autoscout gelistet ist, gehe ich davon aus, dass die anderen Kunden den Golf nicht gekauft haben.

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6 Responses to “Kunden erster und zweiter Klasse”

  1. Sven Plaggemeier

    Gegenfrage: Wieso setzen Sie Kommentare in die Welt, wenn es nicht einmal für einen sinnhaften Inhalt reicht?

    Ich kann gerade keinen Zusammenhang zwischen meinem Kontostand und dem Kauf eines Gebrauchtwagens erkennen.

  2. Autohaus Moll

    Sehr geehrter Herr Plaggemeier.

    Als erstes möchte ich mich im Namen unseres Autohauses für Ihre negativen Erfahrungen entschuldigen. Dies ist nicht unser Anspruch.

    Sollten Sie noch immer auf der Suche nach einem geeigneten Familienwagen sein so würden wir gerne eine zweite Chance nutzen und Ihnen ein passendes Angebot unterbreiten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Achim Schaath
    - Leiter Gebrauchtfahrzeuge -
    Autohaus Adelbert Moll GmbH & Co. KG

  3. Schnellfahrer

    Hallo Herr Plaggemeier,
    ich kam zufällig in Ihren Blog, und muss das einfach kommentieren. Auch ich werde im Autopark Moll einen Wagen kaufen. Da mein erster Schritt ebenfalls über “mobile.de” ging, bin ich dem Verkäufer im Autopark sehr dankbar, dass er mir den Wagen zähneknirschend reservierte. Ich habe eine Anfahrt >400 km, so dass ich auch nicht mal eben so vorbeifahren kann. Ich überlegte mir gerade den Fall, unser Multivan ist reserviert, wir kommen an, und just in dem Moment läuft jemand über den Hof, der auch genau das Auto haben möchte. Wer hat “Vorfahrt”? Ich fand es kindisch, dass der Verkäufer nur sehr kurz reserviert, das relativiert sich jetzt nach Ihrer Erfahrung. Unbestritten ist aber, dass der Verkäufer eine schwache Minute hatte, ich denke, wenn man Ihnen eine gleichwertige Alternative angeboten hätte, wären alle glücklicher, denn dann hätten auch Sie gekauft. Ich hoffe, ich kann unser Auto am Freitag abholen, und es kommt niemand über den Hof :-) .

  4. Sven Plaggemeier

    Lieber Schnellfahrer,

    erst einmal herzlichen Glückwunsch, dass Sie ihr Wunschfahrzeug gefunden haben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie damit lange Zeit zufrieden sein werden.

    Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn in Fällen wie dem Ihrigen ein Fahrzeug ausnahmsweise “reserviert” wird.

    Hätte uns der Verkäufer von Anfang gesagt, dass das Auto für jemanden mit weiter Anreise reserviert sei, dann hätte ich selbst entscheiden können, ob ich das Fahrzeug trotzdem zur Probe fahren möchte und es wäre nicht zu diesem Blogeintrag gekommen.

    In unserem Fall war es aber so, dass wir erst, wie oben beschrieben, beim Verlassen des Hauses von den angeblich besonderen Umständen erfahren haben. Und das ist, da werden Sie mir sicher beipflichten, eindeutig zu spät.

    Zusammen mit den anderen “schwachen Monenten” der Verkäufers ergibt sich somit ein katastrophales Bild, das in einem Lehrbuch für Verkäufer als besonders schlechtes Beispiel seinen Platz finden könnte.

    Zum Glück konnten wir das Thema Autokauf inzwischen abschließen. Am nächsten Montag können wir unser neues Vehikel abholen.

    Viele Grüße,
    Sven Plaggemeier

  5. Teilnehmer

    Der Verkäufer lebt von Verkauf!!nicht vom reservieren irgendwelcher Fahrzeuge!!!!d.h. Er hält sich alle Optionen offen, da er damit sein Geld verdient!
    Unterschrift unten rechts,dann ist alles gut!Probefahren danach solange Sie wollen!Zitat BMW NL MUC wegen PF eines Interessenten mit 3erCarbio an einem sonnigen WE!

    Gruß an alle TN

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