Als ich heute morgen nach dem Wachwerden zum iPad griff und die Seite der New York Times aktualisierte – die Website hatte ich am Abend davor zuletzt besucht – las ich dort als erste Meldung “Steve Jobs Steps Down” – Steve Jobs tritt zurück.
Der Apple-Chef leidet seit Jahren an einer seltenen Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs und hat eine lebensverlängernde Lebertransplantation hinter sich. An seine magere Gestalt bei der Vorstellung neuer Apple-Produkte hatten wir uns bereits gewöhnt. Jeder wusste, dass Steve Jobs Gesundheit es irgendwann nicht mehr zulassen würde, die Geschäfte seines erfolgreiche Unternehmens fortführen zu können. Er wusste es, seine Mitarbeiter wussten es, die Aktionäre und die Käufer und zigtausenden Fan-Boys, die Jobs vergöttern und wesentlich zum Kult der Firma mit dem Apfel-Logo beitragen. Und doch: Als ich die Nachricht von Jobs Rücktritt als CEO las, sagte eine innere Stimme laut “Oh!”.
Steve Jobs ist Apple. Und Apple ist Steve Jobs. Die Person von Steve Jobs ist so eng mit dem Konzern und Produkten wie iPod, iPhone, iMac oder iPad verbunden, dass Apple ohne Jobs im Augenblick nur schwer vorstellbar ist. Nachfolger Tim Cook ist eine glückliche Hand zu wünschen bei der Emanzipation der Firma aus der Allgegenwärtigkeit des großen Jobs.
Wie sehr sich Steve Jobs selbst um Details gekümmert hat, zeigen zahlreiche Anekdoten, die heute die Runde machten. Wie beispielsweise Geschichte einer falschen Gelbschattierung des zweiten “o” im Namenschriftzug von Google auf einem Icon des iPhones, die einem Mitarbeiter einen Anruf des Apple-Chefs einbrachte – an einem Sonntag. Der Fehler musste sofort korrigiert werden. Mancher mag das übertrieben und pedantisch finden – ich zähle mich dagegen zur Gruppe der Sympathisanten. Die Summe des Details macht häufig den Unterschied.
Jobs Detailversessenheit und seine Gespür für Design, dem er sogar Hardware unterordnete, sind legendär. Die New York Times machte ganze 313 Apple-Patente aus, an denen Jobs beteiligt war – mehr als jeder anderer CEO eines großen Technologie-Unternehmens.
Was mich an Steve Jobs aber am meisten beeindruckt hat, ist der leidenschaftliche Visionär, der zielstrebig und geradlinig seine Vorstellungen verwirklichte. Das iPhone, das eigentlich eine Art Abfallprodukt des iPad-Tablets ist, ist dafür nur ein Beispiel. Es war verdammt kühn, im Jahre 2007 mal eben die Neuerfindung des Telefons anzukündigen. Und ich erinnere mich noch gerne an die Artikel deutscher Leitmedien zurück, die den nichtvorhandenen MMS-Versand des iPhone rügten und dies ernsthaft als schweren Mangel brandmarkten. Den Autoren fehlte jede Vorstellungskraft, dass mit dem iPhone eine neue Generation Mobilfunkgeräte geboren war. Heute, vier Jahre später, sind Smartphones Standard. Steve Jobs Vision ist Wirklichkeit.
Oft hat Steve Jobs seine Vorstellungen unter Missachtung sämtlicher menschlicher Anstandsregeln durchgesetzt. Das darf nicht verschwiegen werden. Jobs galt als Choleriker und Mitarbeiter mieden es, ihm im Aufzug zu begegnen, aus Angst, sie könnten danach keine Arbeit mehr haben. Erst im Alter legte sich dieser Wesenszug. Wohl auch bedingt durch seine Krebserkrankung.
Den Menschen Steve Jobs zeigt dieses Video der Universität Stanford, die Jobs 2005 die Ehrendoktorwürde verlieh.
